Radio Aachen 100,eins
Gerd Simons
Eine unerwartet flexible Stadtverwaltung präsentierte sich den verdutzten Aachener Musikfans am Freitagabend. Das durch den starken Regen massiv gefährdete Freiluft-Konzert von „B.B.& The Blues Shacks“ im „Hof“ wurde kurzerhand und völlig unbürokratisch von den Mitarbeitern des Kulturbüros ins benachbarte „Muckefuck“ verlegt. Aus einem „Open Air“ wurde ein gefeiertes Club-Konzert!
Schon beim ersten Akkord der Gitarre sprang sichtbar der Funke über und entzündete ein Blues-Feuer, das lichterloh in den Herzen der Musikfans brannte. Keiner, der den Regenmassen trotzte, zum „Hof“ kam und sich plötzlich im prallgefüllten „Muckefuck“ wiederfand, verließ den Club vorzeitig. Im Gegensatz zum „Summer in the City“ – Auftakt mit „Moyland“ waren B.B.& The Blues Shacks sofort auf Betriebstemperatur und heizten den Öchern mit einer eigenständigen und –willigen Mischung aus Chicago Blues, Jumps, Swing, Texas Shuffle und Rhythm & Blues kräftig ein. Mit unbeschreiblicher Spielfreude und Intensität bearbeiten die vier Musikbesessenen Michael Arlt (Gesang/Harp), Andreas Bock (Drums), Andreas Arlt (Gitarre), und Henning Hauerken (Bass) ihre Instrumente und zelebrierten den Blues der 40er und 50er Jahre mit schlichter Genialität. Ein pumpender erdiger Bass und ein Schlagzeug in der Minimalausgabe (Bass-Drum, Hi-Hat, Snare und einem Becken) legten ein Homogenes Fundament, über dem sich Gitarre und Mundharmonika und der raumfüllende Gesang von Michael Arlt nach Herzenslust austoben konnten und auf musikalische Entdeckungsreise gingen. Mehrfachen Szenenapplaus erntete der „Gitarrenhexer“ Andreas Arlt, der mit einer atemberaubenden Leichtigkeit über die Saiten seines Arbeitsgerätes flog, Raum und Zeit vergaß und sich mit seinem Bruder Michael auf der Harp als die wahren „Blues Brothers“ wilde Duelle lieferte.
Ihr spontan und improvisiert wirkender Auftritt, bei dem die Band auf einen festgelegten Ablauf verzichtete und sich per Zuruf auf weitere Titel einigte, ist das Ergebnis von weit mehr als 1000 Einsätzen, die B.B. & The Blues Shacks während den letzten acht Jahren weltweit gefahren haben. Sie sind nicht nur die beliebteste deutsche Blues Band. Europaweit gelten sie inzwischen als die erfolgreichsten Vertreter des vierziger-und-fünfziger-Jahre-Revival-Blues und können auf mittlerweile sechs zum Teil hochdekorierte CD-Veröffentlichungen zurückblicken. Das „B.B.& The Blues Shacks“ eine Formation mit einer großen Vergangenheit, aber auch mit einer erfolgversprechenden Zukunft ist und auch dauerhaft die Fahne des Blues hochhalten werden, bewiesen sie nicht zuletzt dem Aachener Publikum mit ihren Interpretationen alter Klassiker von Jimmy Rogers, Sonny Boy Williamson und T.-Bone Walker und mit ihren schlichten aber innovativen Eigenkompositionen. Erst nach sechs Zugaben schloss eine weiteres erfolgreiches Kapitel bei den „Summer in the city“-Gratis-Konzerten im Aachener „Hof“ im Schatten der römischen Säulen.

