Harmonica Player, Nr. 10, Frühjahr 2000
von Ralf Steinbacher
Straight Blues Big Swing
Deutschlands Vorzeigeband Nr.! feiert dieses Jubiläum gleich mit zwei neuen CDs, die auch diesmal wieder mit Hilfe des legendären Jerry Hall aufgenommen wurden. Das Konzept dieser Doppel-Veröffentlichung sieht dabei folgendermaßen aus: Mit der „Swing Edition“ präsentieren die B. B.s 15 brandneue Eigenkompositionen, die einerseits sehr traditionsbewusst daherkommen und von tiefem Respekt vor den einstigen Protagonisten dieser Musik zeugen, andererseits aber auch wieder das unglaubliche kreative Potential der Band demonstrieren. Wie kaum einer Band in Europa gelingt es den vier Jungs aus Hildesheim, diesen schmalen Grat zwischen Tradition und Eigenständigkeit zu meistern.
Fast müßig zu erwähnen, dass entsprechende musikalische (und gesangliche) Fähigkeiten die Grundvoraussetzung für das Umsetzen all dieser Ideen ist. Und was soll man in dieser Hinsicht noch groß über die Shacks schreiben? Kaum ein Superlativ, der noch nicht strapaziert, kaum eine Lobeshymne, die noch nicht gesungen wurde. Die (v.a. soundmäßige Selbstverständlichkeit, mit der die Band ihr Terrain „beackert“ ist fast schon beängstigend. Man höre sich nur mal Andreas Arlts Gitarre z.B. auf „Lonesome Without You“ an. Aber auch Michael Arlts Harp klingt absolut fantastisch. Dazu kommt die wie der Teufel swingende und shuffelnde Rhythmusgruppe und so bleibt mir nur meine uneingeschränkte Begeisterung auszudrücken. Mit der „Swing Edition haben sich die Shacks nach eigenen Angaben zum Jubiläum einen lange gehegten Traum verwirklicht: Eine reine Swing CD mit Bläsern. Nun konnte man die Band ja schon in den letzten Jahren des öfteren zu besonderen Anlässen mit Unterstützung (z.B. vom Saxofonisten Thomas Feldmann) live erleben und somit war bereits zu erwarten, dass sich die Band auch in diesem zur Zeit v.a. in den Staaten sehr angesagten Metier heimisch fühlt. Im Gegensatz zur „Swing Edition“ findet sich hier zwar nur eine Eigenkomposition, aber das ist überhaupt kein Manko. Im Gegenteil. Unglaublich welch obskuren Songperlen die Band in den Archiven aufgestöbert hat!
Nicht die geringste Gefahr, dass die Warnleuchte für abgenudelte Kalauer zu blinken anfängt.
Diese Scheibe ist so was wie eine Entdeckungsreise durch die 40er und 50er Jahre. Wer hat z.B. schon mal was von Jimmy Nolen gehört? Hier zeigen die Shacks einfach, mit welcher Leidenschaft sie sich mit „ihrer“ Musik beschäftigt haben. Eine Leidenschaft, die sich auf ihr Spiel überträgt. Nicht vergessen werden sollen an dieser Stelle auch die Gastmusiker, die ihren Teil zum Gelingen dieser beiden CDs beigetragen haben. Für Leser dieser Zeitschrift sei vielleicht noch angemerkt, dass aus harptechnischer Sicht die „Swing Edition“ die interessantere Scheibe ist, da sich Michael Arlt bei der „Swing Edition“ bis auf zwei Stücke auf seinen Gesang konzentriert.

