German Blues Circle 12/99
von Klaus Kilian
Inzwischen ist es keinesfalls zu hoch gegriffen, die Blues Shacks als die führende traditionell orientierte Bluesband Deutschlands zu bezeichnen. Zum zehnjährigen Bühnenjubiläum haben sich die Hildesheimer gleich zwei CDs gegönnt (und ein erfolgreiches eigenes Festival). Die „Blues Edition“ besteht ausschließlich aus eigenen Titeln der Gebrüder Arlt, und auf der Swing Edition“ widmet sich die Band größtenteils unbekannten Titeln der klassischen R&B-Ära der 40er und 50er Jahre. Auf beiden CDs ist durchweg der Berliner Jürgen Magiera am Klavier zu hören /außer auf einem Titel der Blues Edition; auf einem weiteren Stück dieser CD spielt er Orgel). Auf zwei Titeln der Blues Edition spielt Thomas Feldmann Tenorsax, dafür wird er auf der Swing Edition stärker gefeatured, auf der auf den meisten Titeln ein
2- bis 4-köpfiger Bläsersatz zu hören ist. Die eigenen Songs aus der Blues Edition bieten die bewährte Shacks-Mischung aus swingenden und shuffelnden West Coast- und Chicago-Klängen, mit zwei tollen Slowblues. Das ist alles mit Schmackes und Drive gespielt und geht knackig zur Sache. Die Swing Edition dagegen ist ganz traditionell-swingend gehalten. Das Material, das sich die Band zum covern ausgesucht hat, wird selbst den eingefleischtestem Sammler zum Teil unbekannt sein. Darunter sind zwar bekannte Originalinterpreten wie Ray Charles, Guitar Slim, Johnny Otis, Junior Parker, Roy Brown und T-Bone Walker, aber von denen wurden wenig bekanntere Titel ausgewählt. Hinzu kommen obskure Namen wie Calvin Boze, Big John Greer und Jimmy Nolen (und eine eigene Nummer): Beide CDs sind musikalische Meisterleistungen: Die eigenen Titel der Blues Edition sind Abwechslungsreich, eigenständig und zum Teil auch textlich hörenswert, die Coverversionen der Swing Edition sind exzellent arrangiert, authentisch wiedergegeben, und die herrlichen Bläsersätze (vom Trompeter Chris Stieve-Dawe arrangiert) sind das Salz in der Suppe. Jahrelange Profiarbeit hat die Rhythmusgruppe noch weiter zusammenwachsen lassen. Gitarrist Andreas Arlt sprüht wieder vor Ideen (nur das bei den meisten Titeln eingesetzte Echo auf der Gitarre macht den Sound etwas gleichförmig). Michael Arlt setzt die Harp fast nur bei der Blues Edition in bekannt versierter Art ein, aber die angenehme Überraschung ist sein Gesang: Er hat sich als Vokalist enorm gesteigert, und meistert die Bluessachen souverän. Nur für eine Country-Soul-Nummer wie Arthur Alexander’s „Everyday I Have To Cry Some” fehlt ihm das Timbre, aber diesen Titel halte ich sowieso (als einzigen!) für einen Fehlgriff. Das ganze ist wieder exzellent von Jerry Hall aufgenommen, und in den Booklets wird über jeden Song kurz was geschrieben. (Bei Brook Benton haben sich die Jungs allerdings vertan – der hat „Rainy Night in Georgia“ nur gesungen, nicht geschrieben.) Etwas schade finde ich, dass die Cover sich nur durch Titel und Farbe unterscheiden. Beide CDs sind eigenständige Werke und hätten – obwohl sie das gleiche Publikum ansprechen – auch eine eigenständige Verpackung verdient.

