Blues News

Blues News, das deutsche Bluesmagazin, 6. Jahrgang, Ausgabe 20
von Frank Horn

Hier gibt's richtig was auf die Ohren!

Genau vor zehn Jahren liefen Sie vom Stapel und so gönnt sich das Flaggschiff bundesdeutscher Bluesverwerter sich und uns ein ganz besonderen Leckerbissen zu ihrem Jubiläum. Gleich in doppelter Ausführung kommen die News aus Hildesheim und es ist leicht zu prophezeien, dass Stumble-Chef Thomas Ritter hiermit nicht nur das Fünfjährige, sondern in Bälde auch seine erfolgreichsten Auswürfe feiern kann. Unter Zuhilfenahme allerfeinster Ingredienzien haben die Shacks ein ganz dickes Brötchen gebacken, bei dem man sich kaum entscheiden kann, ob nun die obere (The Blues Edition) oder untere Hälfte (The Swing Edition) besser schmeckt.

Hüben wie drüben die Butter drauf geschmiert hat wieder James Harman-Tüftler Jerry Hall.

Der verdiente Magier hinter all den Reglern und Knöpfen sorgt einmal mehr mit Bravour für das stilecht zur Musik passende authentische Klangbild. Doch auch vor dem Mikro stehen die B.B.’s nicht alleine da. Fühlen wir zunächst der Blues-Edition auf den Zahn:

Hier bauen die Gebrüder Arlt & Co. durchweg auf die Unterstützung von Jürgen Magiera an den Tasten. Ex-Bluescaster Thomas Feldmann setzt dem schmalztriefenden „How I Cried For You“ und dem Jump & Jive-Knaller „Stompin’ And Rollin’“ mit seinem Tenor Sax die Krone auf. Ganz und gar verzichtet haben die Niedersachsen diesmal auf Coverversionen. Sämtliche fünfzehn Titel der Bluesrutsche stammen aus dem Hause Arlt – was inzwischen ja schon zu einer Art Gütesiegel avanciert ist. Zwar ihre großen Vorbilder von T-Bone Walker bis Little Walter immer noch fest im Visier, geht es bisweilen straight nach vorn: Ein krachendes „Too Close Love“ mit urwüchsiger Harp, das tanzbare „Lowdown Ways“, fette Instrumentals wie „Still Jivin’“, ein treibendes „Pocket Full Of Wishes“ oder typische Chicago Shuffles a la „Too Long“ belegen dies eindrucksvoll. Einzige handfeste Überraschung ist „I Ain’t Gonna Cry No More“ dass den Hörer mit ins French Quarter von New Orleans nimmt. Ebenso gehegt und gepflegt werden Anhänger des Chicago-Blues. Musikalisch haben sich B.B.& The Blues Shacks  endgültig in der internationalen Spitze festgebissen. Das mächtige Spiel der Gebrüder Arlt auf Gitarre und Harmonica hat neue Maßstäbe in der deutschen Blueslandschaft gesetzt, die gesanglichen Qualitäten waren auch schon schlechter und am Rhythmusgerüst der Herren Bock und Hauerken wird so schnell niemand rütteln können.

Wer dann meint, besser könnt’s gar nicht mehr kommen, erlebt auf CD Nr. 2 sein blaues Wunder. Wie es sich gehört durchweg mit sattem Gebläse eingespielt, entpuppt sich die Swing Edition zum Besten, was bisher aus unserem Lande zu diesem Thema erschienen ist. Im krassen Gegensatz zum ersten Silberling vertrauen die Arlts nun ganz ihren Heroen aus den großen Tagen des Swings und R’n’B. Nur ein mickriges Original verschafft den Coverversionen von Louis Jordan, Junior Parker, Brook Benton, Johnny Otis und vielen anderen, teils recht obskuren Protagonisten aus längst vergangenen Zeiten den nötigen Freiraum. Einzig die Version von „Every Day I Have To Cry Some“ ist Geschmackssache und treibt dem Verehrer von Arthur Alexander nicht unbedingt Freudentränen in die Augen.

Der Rest ist aber unbedingt Marke „muß man haben“! Die Umsetzung der überwiegend in den 50ern entstandenen Songs gelingt (möglichst ohne jetzt in allzu enthusiastische Schwärmereien zu verfallen) formidabel und es wäre ein schändliches Versäumnis, der nächsten Party Songs wie „Sad Stories“, „It Should’ve Been Me“, „I Feel Alright Again“ oder „The Way You Do“ vorzuenthalten. Und all jene die vom Virus Swing noch immer nicht infiziert sind, dürften die Shacks mit Titeln wie „All Right OK You Win“ oder „Safronia B.“ wertvolle Aufklärungsarbeit leisten. Auf der Pirsch nach dem berühmten Haar in der Suppe gibt’s nicht viel zu lachen – hier ist nämlich keins drin, es passt einfach alles zusammen.

Musik, Band und Sound kommen unisono prächtig weg. Für Platten solcher Qualität ist die Blues News Meßlatte mit gerade mal zwei maximal zu vergebenen Smilies eindeutig nicht üppig genug bestückt. Sagenhaft!